EinStückZuhause

Master-Thesis, 2025/26

Modulare Wohneinheiten für den sozialen Wiedereinstieg

Wohnungslosigkeit ist kein kurzfristiges Ausnahmephänomen, sondern Ausdruck struktureller Brüche, fehlender Kontinuität und mangelnder Rückzugsräume. Viele bestehende Hilfsangebote reagieren auf akute Notlagen und leisten unverzichtbare Arbeit. Räumlich bleiben sie jedoch häufig auf die Sicherung des Minimums beschränkt. Zwischen Notversorgung und dauerhaftem Wohnraum entsteht so eine Lücke, in der Stabilisierung dringend notwendig wäre, aber kaum stattfindet. Genau an dieser Schwelle setzt die Masterarbeit EinStückZuhause an.

Der Entwurf untersucht, welche Rolle Architektur und Innenarchitektur in einer Phase übernehmen können, in der soziale Reintegration noch nicht möglich ist, räumliche Stabilität jedoch bereits entscheidend wird. Im Fokus steht kein klassischer Wohnungsbau und keine kurzfristige Notunterkunft, sondern ein räumlicher Zwischenzustand. Ein Ort, der Schutz bietet, Versorgung ermöglicht und Selbstbestimmung zulässt, ohne zu überfordern oder neue Abhängigkeiten zu erzeugen.



Standortanalyse

Berlin bildet für diese Fragestellung einen besonders geeigneten Standort. Die Stadt weist eine hohe Zahl wohnungsloser Menschen auf und ist zugleich von sehr unterschiedlichen Lebenslagen geprägt. Wohnungslosigkeit ist hier kein Randphänomen, sondern Teil des städtischen Alltags. 

Gleichzeitig verfügt Berlin über zahlreiche innerstädtische Restflächen, gute infrastrukturelle Anbindungen und ein dichtes Netz sozialer Angebote. Dadurch entstehen reale Anknüpfungspunkte für räumliche Ergänzungen innerhalb des bestehenden Stadtraums.

Konzept

Eine im Rahmen dieser Arbeit durchgeführte Umfrage unter wohnungslosen Menschen zeigt, dass sich zentrale Bedürfnisse unabhängig von individuellen Biografien stark ähneln. Besonders häufig genannt wurden ein sicherer Rückzugsort, die Möglichkeit zur eigenständigen Versorgung und ein Mindestmaß an Kontrolle über den eigenen Alltag. 

Die Dreiteilung bildet das zentrale Ordnungsprinzip des Entwurfs und prägt sowohl die räumliche Organisation als auch den konstruktiven Aufbau des Moduls. Sie zieht sich durch alle Ebenen des Systems und folgt einer klaren, durchgängigen Logik. Ausgangspunkt sind drei grundlegende Voraussetzungen für einen sozialen Wiedereinstieg: Schutz, Versorgung und Selbstbestimmung. Diese Aspekte bauen aufeinander auf und strukturieren das Raumprogramm. Ein geschützter Raum ermöglicht Versorgung, erst eine gesicherte Versorgung schafft die Grundlage für selbstbestimmtes Handeln.


Dieses Prinzip wird auch konstruktiv umgesetzt. Das Modul besteht aus drei gleich großen Baueinheiten, die erst im Zusammenspiel eine funktionierende und stabile Gesamtstruktur bilden. Durch diese Modularität ist das System erweiterbar und an unterschiedliche Anforderungen anpassbar.


Aufbau und Konstruktion

Der Grundriss mit geschlossener Funktionswand zeigt den Ausgangszustand des Moduls und bildet die räumliche und konstruktive Grundlage des Entwurfs. Die Funktionswand ist als kompakter Block ausgebildet und bündelt alle zentralen Funktionen. Dadurch entsteht eine klare Organisation des Raums mit einer eindeutigen Trennung zwischen Funktionsbereichen und freier Nutzfläche.


Der Zugang erfolgt über die vorgelagerte Terrasse direkt in den Innenraum. Im Eingangsbereich befindet sich eine ausziehbare Garderobenlösung, die als Übergang zwischen Außenraum und Wohnbereich dient. Entlang der Funktionswand schließt sich die kompakt organisierte Küche an, die die grundlegende Ausstattung zur Selbstversorgung bietet.


Der Zugang zum Bad und zum integrierten Technikbereich liegt ebenfalls in diesem Funktionskern. Im hinteren, ruhigeren Teil des Moduls befindet sich der Schlafbereich mit einem integrierten, ausziehbaren Bett und zusätzlichem Stauraum. Zwischen Küche und Schlafbereich ist ein multifunktionales Möbel angeordnet, das Stauraum und ausklappbaren Tisch kombiniert.


Der Grundriss folgt einer klaren linearen Abfolge vom Ankommen über die Nutzung bis zum Rückzug. Alle Funktionen sind entlang einer Seite organisiert, während die gegenüberliegende Seite als offene Bewegungs- und Aufenthaltsfläche erhalten bleibt. Dadurch entsteht trotz kompakter Fläche ein übersichtlicher und flexibel nutzbarer Raum.


Der konstruktive Aufbau des Moduls folgt dem Prinzip der Vorfertigung. Ziel war eine Bauweise, die kosteneffizient, transportfähig und schnell montierbar ist. Das Modul besteht aus drei vorgefertigten Einheiten, die in der Werkhalle produziert und auf der Baustelle lediglich zusammengesetzt werden. Diese Dreiteilung ermöglicht den Transport in üblichen Größen und reduziert Montageaufwand sowie Bauzeit. Konstruktiv basiert das System auf einer Holzständerbauweise mit klar definiertem Raster.

Wände, Boden und Dach werden schrittweise aufgebaut, gedämmt und durch mehrschichtige Aufbauten ergänzt. Die Fassade erhält eine hinterlüftete Holzschalung, die Konstruktion und Dämmung dauerhaft schützt. Die drei Module werden vor Ort über ihre tragenden Rahmen miteinander verbunden und auf höhenjustierbaren Schraubfundamenten gegründet. Diese ermöglichen eine schnelle Montage mit minimalem Eingriff in den Boden und erlauben bei Bedarf einen rückbaubaren Standortwechsel.

Das Farb- und Materialkonzept basiert auf einer ruhigen, erdigen Palette. Helle Holztöne prägen den Innenraum und schaffen eine warme, vertraute Atmosphäre, ohne den kleinen Raum optisch zu verdichten. Ergänzt werden sie durch dunkle, matte Metallelemente im Außenbereich sowie ein fugenarmes mineralisches Spachtelsystem im Bad, das robust, pflegeleicht und feuchtebeständig ist.

Die Funktionswand hebt sich farblich vom übrigen Raum ab und dient als orientierendes Element. Warme Rottöne markieren die intimeren Bereiche wie Bad und Nischen und unterstützen Rückzug und Ruhe. Ein zurückhaltendes Gelb auf den geschlossenen Flächen der Funktionswand wirkt heller, ordnend und verbessert die räumliche Lesbarkeit. 

Das Lichtkonzept basiert auf einem durchgehenden 3-Phasen-Schienensystem an der Decke. Es ermöglicht eine flexible Beleuchtung der unterschiedlichen Funktionsbereiche und erlaubt es, Lichtzonen individuell zu schalten und zu dimmen. Dadurch lassen sich sowohl funktionale Arbeitsbereiche als auch ruhigere Lichtstimmungen für den Wohn- und Schlafbereich erzeugen.


Autarke Versorgung

Das Modul ist als autarkes System konzipiert und funktioniert unabhängig vom öffentlichen Versorgungsnetz. Die Energieversorgung erfolgt über Photovoltaikmodule auf dem Dach, deren Strom in einem zentralen Batteriespeicher gespeichert wird. Das System ist modular aufgebaut und kann bei Bedarf erweitert werden.

Die Beheizung erfolgt über eine kompakte Luft-Luft-Wärmepumpe, die ohne aufwendiges Heizsystem auskommt und im Sommer auch zur Kühlung genutzt werden kann.

Auch die Wasserversorgung ist als geschlossener Kreislauf gedacht. Gesammeltes Regenwasser wird aufbereitet und im Modul genutzt. Grauwasser aus Dusche und Waschbecken wird biologisch gereinigt, während die Trenntoilette ohne Wasser und Chemie auskommt. So entsteht eine technisch realistische, wartungsarme und vollständig autarke Versorgung des Moduls.