PRÔT

Master Entwurf, 2024
Auszeichnung

Revitalisierung eines historischen Getreidespeichers 

Der historische Getreidespeicher in Prüzen wird zu einem Ort, der das baukulturelle Erbe bewahrt und traditionelles Handwerk erlebbar macht. Durch die Neunutzung als Zentrum für Brotbacken und Bierbrauen wird die ursprüngliche Funktion des Speicherns von Getreide zeitgemäß interpretiert. So entsteht ein Begegnungsort für Touristen und Einheimische.


Das Konzept für den Getreide-Speicher bewahrt das baukulturelle Erbe und interpretiert den ursprünglichen Zweck des Gebäudes neu. Der Fokus wird auf das Bewahren (Speichern) von traditionellem Handwerk durch die Verarbeitung des einst eingelagerten Produkts (Getreide) gelegt. Brotbacken und Bierbrauen sind wesentliche Bestandteile des deutschen Kulturerbes. Beide Handwerke sind eng mit Getreide verbunden und können sich gegenseitig in ihrem Betrieb unterstützen. Besucher können aktiv an Back- und Brauprozessen teilnehmen, Workshops besuchen und regionale Spezialitäten genießen.

Standort

Der Kornspeicher befindet sich in Prüzen, einem Ortsteil der Stadt Güstrow in Mecklenburg Vorpommern. Die Gemeinde liegt im Südwesten des Landkreises Rostock, etwa 5 km südlich des Stadtzentrums von Güstrow. Die Region ist ländlich geprägt und zeichnet sich durch Ihre dörfliche Struktur und weitläufige landwirtschaftliche Flächen aus.

Der Kornspeicher befindet sich inmitten eines Getreidefeldes, welches eine Verbindung von Innen- und Außenraum schafft. Besucher durchqueren dieses Feld, um zum Gebäude zu gelangen. Ein ehrlicher Umgang mit den natürlichen Zyklen wird durch die abgeernteten Felder in den Wintermonaten deutlich. Auf der großzügigen Außenfläche gegenüber dem Speicher können Showfelder mit verschiedenen Getreidesorten angelegt werden.

Konzeptdarstellung

Durch offene Produktionsbereiche und neugeschaffene Sichtachsen wird Transparenz geschaffen und der historische Charakter des Gebäudes betont. Ein angrenzender Außenbereich mit Schauflächen für verschiedene Getreidesorten verstärkt das Erleben der natürlichen Kreisläufe. Ergänzend dazu bietet ein integrierter Shop Brot- und Bierprodukte an. 
 
Eine Ausstellung im Obergeschoss vermittelt interaktiv Wissen über die Geschichte des Getreideanbaus, die Verarbeitung und die Bedeutung dieser Handwerke für die Region. Der Getreidespeicher wird so zu einem lebendigen Kulturort, der Vergangenheit und Gegenwart verbindet und einen nachhaltigen Beitrag zur regionalen Identität leistet.

Der Name prôt stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet „Gegorenes“. Er verweist auf den gemeinsamen Ursprung von Brot und Bier, die beide durch Gärung entstehen. Der Begriff verbindet Handwerk und Tradition und bildet damit die inhaltliche Grundlage des Projekts. 




Der Speicher diente früher dem Trocknen und Lagern von Getreide. Wie für Bodenspeicher üblich, zeichnet sich das Gebäude durch einen vertikalen Aufbau, einer großzügigen Grundfläche von ca. 300 qm pro Geschoss und einer niedrigen Deckenhöhe aus. Die Bausubstanz besteht aus Ziegelmauerwerk und einer Holztragstruktur. Heute steht der Kornspeicher unter Denkmalschutz und ist ein wertvolles baukulturelles Erbe, das die Geschichte und Architektur der Region bewahrt. 

Der Sitzbereich im Erdgeschoss ist flexibel gestaltet, um den Bedürfnissen der Besucher gerecht zu werden. An weniger frequentierten Tagen oder vor der Gastronomienutzung kann ein kleiner Shop-Bereich abgetrennt werden, der verschiedene Brot- und Bierprodukte zum Verkauf anbietet. Diese Flexibilität ermöglicht 

es, den Raum bei Bedarf schnell wieder in einen Sitzbereich umzuwandeln.


Im zweiten Obergeschoss befindet sich ein Ausstellungsbereich zur interaktiven Wissensvermittlung. Hier hat der Besucher die Möglichkeit, verschiedene Getreide- & Hopfensorten mit allen Sinnen zu erleben, sein eigenes Mehl zu mahlen oder sich über den Prozess des Bierbrauens zu informieren. Außerdem bietet der Bereich einen direkten Sichtbezug zu den Produktionsräumen im ersten Obergeschoss, wo der gesamte Herstellungsprozess ersichtlich ist.

Regelmäßig werden verschiedene Workshops angeboten, die es den Besuchern ermöglichen, die traditionellen Handwerksprozesse zu erleben und selbst daran teilzunehmen. Beispiele dafür sind Workshops wie „Vom Feld auf den Teller“ oder „Von der Maische bis zum eigenen Bier“. Im Bereich der Brauerei werden zudem Führungen angeboten, bei denen Besucher den gesamten Brauprozess nachvollziehen können. Die anschließende Verkostung der Biersorten im Keller rundet das Erlebnis ab.


Der Dachaufbau des ehemaligen Getreidespeichers wurde erneuert. Zusätzlich wurde ein Lichtband integriert, das das bestehende Gebäude mit dem neuen Treppenhaus verbindet. Dieses Lichtband dient dazu, mehr Tageslicht in das Gebäude zu lenken und eine hellere Atmosphäre im Inneren zu schaffen. 
 
Der Neubau des zusätzlichen Glastreppenhauses dient als zweiter baulicher Fluchtweg und erfüllt damit die aktuellen brandschutztechnischen Anforderungen. Gleichzeitig bleibt die historische Bausubstanz des denkmalgeschützten Gebäudes weitgehend unangetastet, da das Treppenhaus als eigenständige Konstruktion neben dem Bestand errichtet wird und nicht in dessen tragende Struktur eingreift. 

Zur Straßenseite wird das Treppenhaus zudem zur architektonischen Präsentationsfläche. 
Der Schriftzug ist direkt auf der Glasfassade angebracht, während sich das Logo auf dem dahinterliegenden Aufzug befindet. Durch den Lauf der Sonne entsteht ein wechselndes Licht- und Schattenspiel. Der Schatten des Schriftzuges projiziert sich auf die Oberfläche des Aufzuges und lässt so Schriftzug und Logo in Beziehung treten. 


Gleichzeitig ermöglicht der integrierte Aufzug eine barrierefreie Erschließung aller Geschosse und verbessert so die Zugänglichkeit des Gebäudes für alle Nutzer.